Downshifting – was ist das?

Für Downshifting gibt es meines Wissens noch keine offizielle Definition. Dennoch will ich es einmal versuchen. Hier also meine persönliche

Definition „Downshifting“

Als „Downshifting“ bezeichnet man einen Lebensstil mit dem Ziel, ein selbstbestimmteres, erfüllteres Leben zu führen. Es ist eine alternative Lebensart, die durch teilweisen und gezielten Konsumverzicht größere persönliche Freiräume schafft.

Es geht darum, den Gang im Hamsterrad etwas herunterzuschalten. Den Stress und psychischen Druck, den heute viele im Beruf haben, zu reduzieren und eine gesunde Work-Life-Balance herzustellen. Der Fokus wird beim Downshiften wieder auf den Auf- und Ausbau von Beziehungen und einem intakten sozialen Umfeld gelegt. Ein Stück weg vom wirtschaftlichen Erfolg, der uns ansonsten antreibt.

Dabei bedeutet Downshifting keineswegs, den Job an den Nagel zu hängen. Es geht darum, sein seinem individuellen Gleichgewicht in kleinen Schritten anzunähern. Ein recht häufig genutzter Einstieg ist die Reduktion der wöchentlichen Arbeitszeit. Wird diese in Absprache mit dem Arbeitgeber auf z.B. 80% reduziert, bleiben dem Arbeitnehmer künftig 20% seiner Arbeitszeit für Privates. Dabei ist es unerheblich, ob diese Zeit zum Gang in’s Fitnessstudio genutzt wird oder man auf dem Sofa die Füße hoch legt – wichtig ist, dass diese Zeit für Privates zur Verfügung steht und auch genutzt wird. Aus dieser Zeit können zusätzliche Kräfte geschöpft werden, die den Downshiftern selbst, der Familie und auch dem Job zugute kommen.

Downshifting ist also ein möglicher Weg, mehr Zufriedenheit und Entspannung im eigenen Leben zu etablieren.

Das ist das eigentliche Ziel beim Downshifting: Zufriedenheit zu finden, mit sich selbst und seiner Familie ein ausgeglichenes Leben zu führen, das nicht von Stress und dem Streben nach materiellem und wirtschaftlichem Erfolg geprägt ist. Es ist die Veränderung von „Leben, um zu Arbeiten“ hin zu „Arbeiten, um zu Leben“.

In der Praxis bedeutet Downshifting einige Veränderungen im persönlichen Verhalten, aber auch im gesamten Lifestyle. Wie oben schon angesprochen ist der gängigste Weg die Reduzierung der Arbeitszeit. Daraus resultiert natürlich auch eine Reduktion des Gehalts und damit in eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten (diese können im Regelfall jedoch durch gezielten Konsumverzicht wieder ausgeglichen werden). Da man sich zu diesen Veränderungen aber bewusst und freiwillig entschließt, sind sie für einen selbst selten ein Problem. Das sieht im Arbeitsumfeld möglicherweise anders aus. In der Arbeitswelt kann ein Downshifting schnell zu einem Karrierekiller werden. Downshifting ist in Deutschland noch nicht weit verbreitet wie z.B. in Amerika, Australien, Neuseeland oder England, und Downshifter gelten hierzulande noch immer als Exoten, die mit entsprechenden Vorurteilen zu kämpfen haben. In Konzernen und großen Unternehmen ist das Thema allerdings bereits angekommen.

Downshifting – soziale Aspekte

Downshifting ist ein Trend, der sich zunehmend in Industriestaaten etabliert. Offensichtlich gibt es in unserer heutigen Welt so viel Druck, Hektik und Unzufriedenheit, dass immer mehr Menschen sich dazu entschließen, ihre Werte neu zu ordnen. Wirtschaftlicher Erfolg und Geld rücken etwas in den Hintergrund, dafür stehen Werte wie Gesundheit, Familie, Freunde, Zufriedenheit und der Lebenswert an sich an erster Stelle.

Ob sich dieser Trend in Deutschland flächendeckend durchsetzen kann, bleibt abzuwarten. Auf den ersten Blick steht Downshifting den Interessen von Wirtschaft und Politik entgegen, da der primäre wirtschaftliche Leistungsgedanke aufgeweicht wird. Dennoch steht Downshifting keineswegs im Widerspruch zum wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens. Ausgeglichene und zufriedene Arbeitnehmer sind erwiesenermaßen leistungsfähiger, als dauergestresste und unzufriedene Mitarbeiter.

Downshifting – Tipps  und Möglichkeiten

Aber Downshifting muss nicht zwingend bedeuten, die Arbeitszeit zu reduzieren. Es kann auch einfach bedeuten, seine Einstellung zur Arbeit zu ändern. Gelassener zu bleiben, weniger Stress zuzulassen und so insgesamt zufriedener zu sein.

Ein Wechsel des Arbeitgebers kann Entspannung bringen, wenn man sich z.B. mit bestimmten Kollegen einfach nicht versteht oder der neue Arbeitgeber bessere soziale Möglichkeiten bietet. Etwas drastischer ist der Wechsel in einen Job auf einer niedrigeren Hierarchie-Ebene. Weniger Verantwortung und regelmäßige Arbeitszeiten können den ein oder anderen bereits deutlich entlasten.

Ein weiterer, etwas dramatischer Schritt ist der Umzug aus der hektischen Stadt in einen ruhigeren Vorort oder aufs Land, wo alles etwas entspannter zugeht.

Downshifting kann der Schritt in die Selbständigkeit sein. Auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, bei einem solchen Schritt die Arbeitszeit zu reduzieren, kann die persönliche Zufriedenheit durch die Möglichkeit zur Selbstbestimmung und eine erfüllende Arbeit, die Spaß macht, deutlich erhöhen.

Abschließen lässt sich also zusammenfassen:
Es gibt viele Möglichkeiten des Downshifting. Der erste Schritt sollte immer sein, die aktuelle Situation zu analysieren und die eigenen Werte und Ziele zu definieren. Danach gilt es, mit kühlem Kopf eine Entscheidung zu treffen, die diese definierten Werte in den Mittelpunkt setzt und einen gangbaren Weg aufzeigt, um sie zu erreichen.
Downshifting ist nicht immer einfach. Eines der größten Hindernisse ist sicher die individuelle finanzielle Situation. Man sollte die finanziellen Einbußen z.B. bei Reduzierung der Arbeitszeit nicht unterschätzen und realistisch durchrechnen. Dennoch – es gibt immer Mittel und Wege, das eigene Ziel zu erreichen. Und es gibt immer mehr „Downshifter“, denen ihr Leben, ihre Gesundheit und Zufriedenheit wichtiger ist, als die stressige Arbeit und der tägliche Konsum-Wahn.

2 Kommentare

  1. meyrose 21. April 2016 at 19:11 - Reply

    Downshifting kann ich nur empfehlen. Tut mir seit vielen Jahren gut.

    • The Grey 25. April 2016 at 9:02 - Reply

      Da kann ich dir nur gratulieren! Der Einstieg in’s Downshifting fällt vielen unheimlich schwer, weil ihnen „die Aussicht“ auf eingeschränkte finanzielle Freiheit, einen Karriereknick und sogar „gefühltes, vermindertes Ansehen“ innerhalb der Gesellschaft schwer zu schaffen macht. Tatsächlich kann man Downshifting in ganz kleinen Schritten angehen. Vielleicht reicht es ja schon, die aktuelle persönliche Situation zu reflektieren und vermeintlich wichtige Dinge, von denen wir aber wissen, dass sie nur unwichtige Zeitfresser sind, zu eliminieren und die dadurch gewonnene Zeit sinnvoll zu verbringen.

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